Meine Auswahl

+ + + Ein kurzes Vorwort und mehr finden Sie unter „Wie alles begann“ + + +

Moj izbor

Dies ist die Startseite meines Projekts – alle anderen Seiten habe ich erst später hinzugefügt, so wie mir beim Hören der Musik neue Ideen kamen. Von einer chronologischen Reihenfolge kann also keine Rede sein.
Ich denke aber, wichtiger ist, vor allem die Vielfalt der Musik des Balkan darzustellen. Es folgt
nun eine bunte Mischung aus alten und neuen Liedern verschiedener Stilrichtungen. Manchmal sind mehrere thematisch miteinander verbunden, ein anderes Mal steht ein Lied für sich allein. Überhaupt ist die Auswahl sehr persönlich! Nicht alles muss jedem gefallen!

Um die Ladegeschwindigkeit der Startseite zu verbessern, habe ich die Videos nicht mehr im Seitenverlauf eingebaut, sondern jeweils nur verlinkt. Ein einfacher Klick genügt und das entsprechende Video öffnet sich
in einem neuen Fenster.

Das zuerst vorgestellte Lied stammt eindeutig aus Bosnien-Herzegowina. Das zweite, selbst wenn es
von einem serbischen Orchester gespielt wird, natürlich auch. Die Melodie ist die gleiche wie beim ersten, obwohl sie schon ganz anders klingt, der Text jedenfalls ist ein anderer. Das beobachtet man aber bei vielen Liedern. Auf den bosnischen Ursprung weist hier die häufige Verwendung des Wortes „aman“
(türk. = oh!) hin, aber auch der Bezug zum Meer (kraj mora). Gesungen wird das Lied sowohl in Bosnien-Herzegowina als auch in Serbien und Kroatien.

Mir fiel auf, dass die folgende Version des ersten Liedes die einzige ist, bei der in der zweiten Strophe gesungen wird: „Ja sam Aischa – ich bin Aischa“, das erscheint mir ziemlich authentisch, da in Bosnien der türkische (osmanische) Einfluss sehr groß war. Ihr könnt bei Youtube noch mehr Varianten entdecken.

Nach diesem Auftakt beginne ich dort, wo ich bei der Entdeckung der Musik des Balkan gestartet bin:
(siehe Vorwort). Ich wähle daher zuerst ein altes Lied aus Dalmatien aus, gesungen von der Klapa Trogir (Klapa heißt Gruppe, ursprünglich wurde nur a capella gesungen, später kamen oft Gitarre, Mandoline und weitere Instrumente hinzu). Mehr Beispiele zu diesem Thema finden Sie auf der Seite Sonne und Meer.

Der erste Tenor der Klapa, Vinko Coce, startete später eine Solokarriere. Er verstarb  – viel zu früh – 2013. Hier sein Auftritt 2007 in der Arena von Pula (Amphitheater).

In Slawonien, der kroatischen und ungarischen Baranya, der serbischen Vojvodina und einigen anderen Teilen von Kroatien, Österreich, Ungarn und Bosnien-Herzegowina pflegt man mehr die Tamburica-Musik, mit ganz typischen Zupfinstrumenten. Das kleinste davon ist die prim oder bisernica (Perlchen) das größte der Bass (bas oder berda), dazwischen gibt es die basprim oder brac (bratsch) sowie das größere celo (heute seltener) für die Melodie und die bugarija, auch kontra genannt (im Wechselspiel mit dem Bass für den Rhythmus zuständig). Dazu kommt oft ein Akkordeon, manchmal auch Violinen und andere Instrumente. Hier zwei meiner Lieblingsgruppen: Fijaker aus der slawonischen Hauptstadt Osijek und CICE aus Koprivnica (Podravina).

Von Cure iz Centra hier auch ein neueres Lied – vorgestellt beim Festival in Pitomaca 2017, bei dem ich ebenfalls im Publikum saß. Brandneu ist der nächste Titel, übrigens in neuer Besetzung. Lucija Bukvic
hat die Gruppe verlassen, Monika Ritosa die bisernica übernommen. Neu ist Ana Trninic (brac) – eine Schwester von Ema Trninic?

Ein relativ kleines Gebiet ist das Medjimurje, der nördlichste Teil Kroatiens, zwischen Mur und Drau. Es gehörte lange Zeit zu Ungarn, was sich auch musikalisch bemerkbar macht. Hier etwas für Auge und Ohr, dargeboten von Ema Trninic (Cure iz Centra). Danach weitere Musik aus dem Medjimurje, zum Beispiel mit Andjela Potocnik von Ladarice (siehe Ensembles) oder von Fijolina.

Zum Vergleich – ungarische Folklore.

Ein bekanntes bosnisches Volkslied ist „Moj dilbere“ (Mein Liebling/Liebster) [kurdisch: dilbere = Liebe]. Allein davon habe ich etwa 20 Versionen entdeckt und das sind gewiss nicht alle. Sehr orientalisch das erste Beispiel – wie Musik aus 1001 Nacht. Etwas temperamentvoller dagegen die Version der jungen
Sofka Nicolic aus den 1920er Jahren, begleitet von der Roma-Kapelle ihres Ehemannes. (Weitere Interpretationen finden sich auch auf dieser und anderen Seiten des Blogs).

Eindeutig aus der Herzegowina ist das folgende Lied. Sehr schön die alten Postkarten von Mostar!

Da darf natürlich auch die entsprechende Hymne nicht fehlen!

A propos Hymne. Die gibt es selbstverständlich auch für die Podravina – das Land an der Drau im Norden Kroatiens und südlich der ungarischen Grenze. Ich habe die Fassung mit dem legendären Blaz Lenger ausgewählt. Interessant ist die Zusammensetzung des Ensembles, es gibt da drei Violinen (1., 2., 3.), bas und bugarija sowie – selten in der kroatischen Folklore – das im pannonischen Raum häufig verwendete cimbalom. Klar: Ungarn und die Podravina sind ja unmittelbare Nachbarn!

Das Gegenstück zur Podravina ist die Posavina. Sie beginnt südöstlich von Zagreb, zeitweise parallel
zum bekannten Lonjsko Polje und verläuft dann links und rechts der Save (nördlich und südlich der Grenze zwischen Kroatien und Bosnien)  bis nach Serbien, wo die Save in die Donau mündet.
„Leise fließt die Save„.

Die größte Stadt an der Save ist Slavonski Brod. In diesem Lied wird erzählt, wie die Save nach Brod kam.

Zu den wichtigsten Flüssen Kroatiens zählt neben Drau und Save die Donau, die selbstverständlich auch
zu Serbien, Ungarn usw. gehört! Das erste Video erzählt davon, wie der Sänger in der Nähe der Donau aufgewachsen ist. Danach eine Aufnahme der Gruppe Ucitjeljice, die ebenfalls die Donau besingt.
Die Dame mit der Brac ist Silvia Ivic, ehemals Cure iz Centra.

Slawonien bildet heute eine Einheit mit dem südöstlichen Gebiet Srijem und der nordöstlichen Baranja (wobei der größere Teil der gesamten Baranja zu Ungarn gehört- ein Teil von Srijem aber zu Serbien).

Zum Thema Donau liefert auch Zeljko Bebek einen Beitrag. Wir werden später noch von dem gebürtigen Bosnier hören.

Jetzt erst mal ein wunderschönes Lied aus Montenegro (Crna gora).

Zora“ bedeutet Morgendämmerung – das Morgenrot heißt „rujna zora“.  Die folgende Sängerin mit ihrem ziemlich luftigen Gewand stammt auch aus Montenegro, lebt aber zur Zeit in Belgrad. Über was
sich ihr Begleiter wohl so amüsiert? Der immer wieder auftauchende Begriff „durmitora“ meint das Gebirgsmassiv Durmitor im Norden Montenegros.

Das Thema „zora“ erweist sich als unerschöpflich. Das Tamburaski orkestar „Zigeunernacht“ ist von der Größe her eher ein „tamburaski sastav“, also eine Tamburaski-Gruppe. Auf jeden Fall sehr eindrucksvoll!

Wer kennt nicht „La Paloma“ – die Taube? In Bosnien heißt sie „golube„, auf Kroatisch „golubice„.

Ein ganz anderer Vogel ist die Nachtigall – auf Türkisch „bülbül“- das Wort wurde in Serbien oder Bosnien übernommen und ein wenig verändert. „Bilbil pile“ heißt also Nachtigall-Vögelchen, genau übersetzt Nachtigall-Küken.

Ein deutsches Gedicht von Heinrich Heine  wurde in Bosnien zum Volkslied – „Der Asra„, wobei es für die Dichtung orientalische Quellen gab.

Täglich ging die wunderschöne                                             Eines Abends trat die Fürstin
Sultantochter auf und nieder                                                 auf ihn zu mit raschen Worten:
um die Abendzeit am Springbrunn,                                    »Deinen Namen will ich wissen,
wo die weißen Wasser plätschern.                                       deine Heimath, deine Sippschaft.«

Täglich stand der junge Sklave                                              Und der Sklave sprach: »Ich heiße Mohamet
um die Abendzeit am Springbrunn,                                    und bin aus Yemen,
wo die weißen Wasser plätschern,                                       und mein Stamm sind jene Asra,
täglich ward er bleich und bleicher.                                    welche sterben, wenn sie lieben.«

Jenseits der Donau, als Stadtteil der serbischen Stadt Novi Sad erhebt sich die Festung Petrovaradin (deutsch Peterwardein). Sie war einmal die größte Festung Europas und deshalb für die Habsburger Monarchie von hervorragender Bedeutung. In der Schlacht von Peterwardein schlug 1716 Prinz Eugen von Savoyen das zahlenmäßig überlegene osmanische Heer vernichtend. Janika Balaz, Großmeister der „prim“ und Orchesterleiter, war ein Sohn der Stadt Novi Sad.

Kürzlich entdeckte ich ein Lied, das mir von der Melodie her sehr bekannt vorkam: Tisina nema vlada svud. Es stammt eigentlich aus Bulgarien und ist dort so etwas wie eine heimliche Nationalhymne – Xubava si moja goro. Für die serbische Fassung habe ich eine etwas düstere Aufnahme mit Dubravka Nesovic ausgewählt. Das bulgarische Video zeigt eindrucksvoll das Stara Planina – das Balkangebirge. Musikalisch gesehen – mnogo dobre.

Die Jahorina ist ein Gebirgszug im Osten von Bosnien-Herzegowina. Das Loblied auf das Gebirge und die Bosnier kommt etwas gemächlich daher. Wer es leidenschaftlicher mag, sollte die alte Aufnahme mit Sofka Nikolic hören, bei der allerdings die Tonqualität gelitten hat (siehe unter „Stimmen“).

Berge und Wälder sind ein beliebtes Thema in der Volksmusik. Hören wir das Lied über die grünen Wälder von den fast schon in Vergessenheit geratenen Brüdern Benc. Interessant sind die Instrumente: Die beiden basprim haben noch die alte Mandolinenform, heute ähneln sie ja mehr einer Gitarre. Dafür sieht die prim überraschenderweise wie eine Ukulele aus. Bemerkenswert ist auch der Einsatz von zwei bugarija.

Ach ja, das schöne Landleben, mit freilaufenden Hühnern! Ähnlich wird es in Hercegovac in der Zupanja Bjelovar-Bilogora aussehen, wo Cure iz Centra aus dem gar nicht weit entfernten Koprivnica von blühenden Apfelbäumen singt – und das zum Kartoffelfest.

Von den Roma auf der Balkanhalbinsel wird der St. Georgstag (Ederlezi) am 6. Mai als einer ihrer wichtigsten Feiertage begangen, der die Grenze zwischen Winter und Sommer markiert. Er wird auch
von den Südslawen (Djurdjevdan) gefeiert, ganz gleich ob Katholiken, Orthodoxe oder Muslime. Das traditionelle Lied Ederlezi wurde von der jugoslawischen Rockband Bjelo Dugme – Weißer Knopf) 1988
in serbokroatischer Fassung veröffentlicht (Text und Arrangement: Goran Bregovic).

Der Originaltext von „Ederlezi“ sowie verschiedene Übersetzungen lassen sich nachlesen, wenn man
das Video in Youtube öffnet. Hier der deutsche Text von „Djurdjevdan“:

Es landet der Frühling auf meiner Schulter                            Da kommt schon die Dämmerung
Die Maiglöckchen blühen                                                               Da kommt schon die Dämmerung
Die Maiglöckchen blühen                                                               Zeit um zu Gott zu beten
Jedem, nur nicht mir                                                                         Da kommt schon die Dämmerung
LLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLL Da kommt schon die Dämmerung
Die Wege gehen weiter, ich jedoch bleibe                                Hej, es ist St. Georgs Tag
Es ist kein Morgenstern da                                                             Und ich bin nicht mit der zusammen, die ich liebe
Es ist kein Morgenstern da
Oh Du, meine Weggefährtin                                                           Ihren Namen soll man erwähnen
LLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLL  Jeden anderen Tag
Hej, wem wirst Du nun, meine Liebe                                          Jeden anderen Tag
Nach Maiglöckchen duften                                                             außer am St. Georgs Tag
Nach Maiglöckchen duften
Mir jedenfalls nie mehr

Andjeo cuvar (Schutzengel) heißt ein eindrücklicher jugoslawischer Film aus dem Jahr 1987, der sich mit dem Schicksal der Sinti und Roma im heutigen Europa auseinandersetzt, besonders mit dem der Kinder. Hier der Titelsong von Saban Bajramovic, der selbst im Film mitspielt.

Vergiss es – wenn du kannst!
So lautet der Titel des Songs, den uns Zeljko Bebek zusammen mit dem Varazdiner Tamburaski-Orchester präsentiert. Ich finde das Arrangement einfach toll. Ursprünglich ist das ein Stück von Bjelo Dugme
(Musik und Text: Goran Bregovic). Bebek war dort von 1974 bis 1984 der Hauptsänger. Ich empfehle die Originalaufnahme des Songs mit der Gruppe, wie auch weitere Titel und Alben. Hier würde das zu weit führen.

Aus dem Herzen Slawoniens, aus Pozega im Goldenen Tal kommt die Gruppe Posegana – hoffnungsvoller Nachwuchs für die Tamburica-Musik. Hier zwei Beispiele ihres Könnens.

Eine bewegende und schicksalsschwere Ballade. Die unpathetische Vortragsweise von Miroslav Skoro geht trotz ihrer scheinbaren Leichtigkeit unter die Haut!

Wenden wir uns nun wieder weniger ernsten Themen zu – zum Beispiel einem viel gesungenen Lied aus Montenegro. Die schöne Anka ist sehr krank, die Ärzte wissen nicht mehr zu helfen. Die Mutter schwört darauf, dass nur das heilkräftige Wasser aus der Schlucht Ivanova (Korita Ivanova) die Tochter heilen kann. Doch Anka ist eigentlich nur liebeskrank. Da träumt sie eines Nachts, dass ein gewisser Jova zu ihr kommt – und schon geht es ihr besser.

Noch etwas südlicher als Montenegro liegt Albanien. Von dort kommt der folgende Song. Lule bedeutet Blume. Zuerst habe ich das Lied unter dem Titel „Lulle, lulle“ gefunden. Lulle stammt aus dem Norwegischen, wurde ins Albanische übernommen und heißt Flaute (Windstille). Man spricht aber auch beim Stillstand in einer Beziehung von einer Flaute. Vielleicht ist das Ganze sogar ein Wortspiel.

Für Montenegro sang Sergej Cetkovic 2014 den Beitrag „Moj svijet“ beim Eurovision Song Contest
(siehe Sonne und Meer). Bei der Vorstellung von Vice Vukov (Stimmen 2) erwähnte ich seine Teilnahme am ESC und zwar 1963 mit „Brodovi“ (Schiffe) und 1965 mit „Ceznja“ (Sehnsucht). Doch hätten die Lieder in jenem Beitrag den Rahmen gesprengt und so bringe ich sie an dieser Stelle.

Das bietet mir eine gute Überleitung zu einem anderen Sänger, der 2017 für Kroatien am ESC teilnahm – Jacques Houdek. Er ist bereits unter Alte Lieder zu finden („Ne vrijedi plakati“) und ich stelle hier nach dem Teilnehmertitel ein weiteres Lied von ihm vor. Die Aufnahme besticht neben der hervorragenden Stimme des Sängers auch durch die Tamburasi-Begleitung in geradezu klassischer Besetzung. Bas und kontra stellen mit ihrem Wechselspiel den Grundrhythmus her, die Melodie wird von der basprim erzeugt (mindestens 2), die hohen Töne deutlich von der prim.

Sevdalinka lebt!
Auch ist ein neuer Stern an Bosniens Musikhimmel aufgegangen – Azra Husarkic – das war schon 2009 abzusehen. Hier also ein paar Kostproben ihres Könnens. Allerdings hatte ich bei der Auswahl der Lieder so meine Probleme mit dem bosnischen Fernsehen – entweder sind die Aufnahmen zu leise oder zu laut, überhaupt lässt die Bild- und Tonqualität zu wünschen übrig. Ganz zum Schluss natürlich „Moj dilbere„; in einer etwas eigenwilligen, durchaus persönlichen Version – „Aman – Boze moj“!

Aller guten Dinge sind drei – deshalb hier zum dritten Mal auf dieser Seite Zeljko Bebek. Dabei bleiben wir bei bosnischen Sängern. Und es ist mein Lieblingstitel in dieser Konstellation. Wenn sich Zeljko von den Musikanten verabschiedet und ihnen eine gute Nacht wünscht, muss das nicht das Ende dieses Beitrags bedeuten.

Zu den Regionen Kroatiens gehört wie die Podravina und die Posavina auch die Moslavina, sie liegt zwischen den beiden Gebieten am Kreuzungspunkt von Zentralkroatien und Slawonien. Größter Ort und wirtschaftliches Zentrum ist Kutina. Den Namen hat die Mikroregion nicht von einem Fluss, sondern von den „Moslavacka gora“, einem kleinen Gebirgszug.

Das Hrvatsko Zagorje (Kroatisches Hochland) erstreckt sich vom nördlichsten Teil des Gebirges Medvednica, dem Hausgebirge Zagrebs, (za gorje = hinter den Bergen) bis zur Drau. Hauptorte sind Varazdin und Krapina. Ein bekanntes Lied von dort ist Pod brajde (Unter dem Brombeerstrauch).

Samobor (die Heimat der kremsnite) ist eine Stadt in der Gespanschaft Zagreb und liegt nahe der slowenischen Grenze am Fuß des Naturparks Zumberak-Samoborsko gorje. Bitte nicht verwechseln mit der Stadt Sombor in Serbien, die bei den Alten Liedern oft besungen wird!

Die Lika ist eine Landschaft im Zentrum Kroatiens. Ob es nun das Wolfsland oder das Land der Heilkräuter ist, darüber streiten sich die Gelehrten. Zwischen Velebit und Dinarischem Gebirge erstreckt sich das größte Karstfeld überhaupt, das „licko polje“, in dem Flüsse wie die Lika plötzlich verschwinden. Sehr bekannt sind die Plitvicer Seen.

Plitvicki becari heißt die Gruppe des letzten Liedes , der Name becari taucht aber auch bei anderen Ensembles auf und ich habe lange nach der Bedeutung des Wortes gesucht. Es steht nämlich in keinem Wörterbuch und auch der Google-Übersetzer kann damit nichts anfangen. Erst auf Umwegen bin ich hinter das Geheimnis des Begriffs gekommen und zwar über die UNESCO. 2009 reichte Kroatien die „Becarac“ für die Liste des immateriellen Kulturerbes der Organisation ein, wo sie 2011 auch aufgenommen wurde.
Becarac ist eine humorvolle Form des Volksliedes, ursprünglich aus dem ländlichen Slawonien und schließlich über Serbien und Südungarn verbreitet. Die Wurzel des Wortes stammt von becar (türkisch = bekar), was unter anderem Junggeselle bedeutet.
Becarac verwendet eine strenge Form von Couplet, immer zur gleichen Musik gesungen, gespielt von einem Tamburica-Orchester. Der Text wird oft an Ort und Stelle improvisiert, wobei ihn ein Vorsänger anstimmt und dieser dann vom Chor der Männer nachgesungen wird.

Krunoslav Kico Slabinac ist der bedeutendste Sänger der Becarac bei öffentlichen Veranstaltungen und Fernsehsendereihen. Wie gesagt, die Melodie ist immer die gleiche, der Text ändert sich entsprechend
des Anlasses oder des Ortes. Das gleiche gilt für den Svatovac, der  den Verheirateten gewidmet ist.

Die Becarac ist eindeutig eine Männerdomäne, Frauen führen sie eher nicht auf. Wenn Cecilija hier das Lied „Becarusa“ singt, hat das mit der eigentlichen Becarac nichts mehr zu tun.

Für Frauen und Männer von gleicher Bedeutung ist dagegen der Kolo, ein Reigentanz, der von Kroaten, Bosniaken und Serben in allen Regionen, in denen sie leben, getanzt wird. Dabei halten sich die Tänzer an den Händen, oder aber an den Hüften oder Schultern und wiegen den ganzen Körper im Rhythmus. Begleitet wird der Kolo von einem Akkordeon oder einer frula (Blockflöte), gelegentlich auch von einer Mundharmonika. Es wird aber auch zum Teil dazu gesungen. Übrigens hat jede Region ihren eigenen Kolo.

Die Rocker von der Morawa sind eine echte Entdeckung! Mehr davon ist unter Ensembles zu finden.