Wie alles begann

Kako je sve pocelo

Es ist ja nicht so, dass ich mich mein Leben lang für Klapa-Gesang, Tamburica und bosnische Volkslieder interessiert habe, ich kannte das alles überhaupt nicht. Was ich als Bürger der DDR von Jugoslawien wusste, war verdammt wenig. Dass Tito der große Staatspräsident war und dass es in Jugoslawien etwas freizügiger zuging als bei uns, war mir natürlich bekannt. Ivo Robic war mir ein Begriff, ebenso Dunja Rajter, beide kannte man aus dem westdeutschen Rundfunk. Und das war schon alles!
Doch halt, da gab es eine Geschichte, die mit Kroatien zu tun hatte und die mir seit meiner Kindheit bekannt war: „Die rote Zora und ihre Bande“ von Kurt Held. Ich habe dieses Buch immer wieder gelesen
und so war ich mit dessen Helden ebenso vertraut wie mit den Örtlichkeiten – den engen, alten Gassen, den Plätzen und Kirchen von Senj, der Uskokenburg Nehaj und natürlich der Adria mit den Inseln Krk und Rab. Ich las von der Straße zu den Plitvitzer Seen, von Brinje, von Fiume …

Mit der deutschen Einheit ergaben sich auch für mich neue Reisemöglichkeiten: Frankreich, Italien, Spanien. Trotzdem wurde der Wunsch immer stärker, doch einmal nach Senj zu fahren. So ging es dann endlich nach Rijeka (Fiume), Crikvenica und Senj, verbunden mit Ausflügen zur Insel Krk. Dann erschien mir die Halbinsel Istrien von Interesse und ich umrundete sie mehrmals, durchquerte sie und lernte vor allem Porec und Pula kennen. Doch Kroatien macht süchtig! Dalmatien ist der Inbegriff von Sonne und Meer, aber auch der Küstengebirge Velebit und Biokovo. Und da gibt es ja noch das ganze übrige Kroatien mit der Hauptstadt Zagreb, mit seinen Flüssen Drau, Save und Mur, den Landschaften der Podravina, der Posavina, der Moslavina, das große Gebiet Slawoniens und vieles mehr.
Schritt für Schritt entdeckte ich Kroatien für mich und so erging es mir auch mit der Musik. Als erstes hörte ich die Musik Dalmatiens, den Klapa-Gesang und viele Lieder, begleitet von Gitarre und Mandoline. Vinko Coce wurde mir ebenso zum Begriff wie Tomislav Bralic, die Klapa Maslina und die Klapa Trogir. Dann lernte ich die Tamburica-Musik kennen, die mehr im Inneren von Kroatien gepflegt wird: Tamburaski sastav Fijaker, Cure iz Centra, Slavonske Lole, Najbolji Hrvatski Tamburasi und viele andere Gruppen, alte und neue, in ganz verschiedenen Besetzungen. Dabei stieß ich immer wieder auf den Begriff „Starogradske pesme“, deren Vielfalt ich kennenlernte. Ich konnte nun stundenlang dem Trio Gust zuhören und mich an den Melodien berauschen.
Schließlich stellte ich mir die Frage, was denn eigentlich kroatische Volksmusik sei, der Ursprung all der Lieder, die ich gehört hatte. Dabei musste ich feststellen, dass dies oft gar keine rein kroatische Musik ist, zum großen Teil stammt sie aus Bosnien und Herzegowina, Serbien, Mazedonien oder Montenegro. So lernte ich auch eine Reihe hervorragender Sängerinnen und Sänger kennen, die landestypische Lieder in ihrem jeweils eigenen Stil interpretieren.
Mit meinen musikalischen Entdeckungen habe ich zuerst meine Freunde, Bekannten und Verwandten „beglückt“ und sie mit Mails und Links bombadiert. Schließlich meinte eine Bekannte, dass meine Entdeckungen von einem größeren allgemeinen Interesse sein könnten und so entstand dieser Blog.

Peter Walther

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Die Headerbilder für die Seiten wechseln nach dem Zufallsprinzip:
– Die Balkanländer und angrenzende Staaten

– Flusslandschaft (Drau)
– Blick auf Senj beim Abstieg von der Burg Nehaj
Restoran „Zlatni Klas“, Pitomaca-Otrovanec, Restaurant, Übernachtung, Reiterhof,
– Gästelanghaus mit Oldtimer
sehr zu empfehlen ist die gute Küche (auch vegetarisch)

Die Podravina, die jedes Jahr erneut in Pitomaca besungen wird, verfügt neben „Podravino, moja mila“ noch über eine zweite Hymne, die ich hier zu Gehör bringen möchte. Das „Podraviner Blut“ ist sicher ebenso bedeutsam wie das Wiener Blut. Junges Blut ist auf jeden Fall die Gruppe Cure iz Centra, von der
ich  hier die Festivalbeiträge aus den Jahren 2014, 2015 und 2016 vorstellen möchte. Danach, weil es so schön ist, zwei weitere Lieder.

Ist es jemandem aufgefallen? Zum Schluss sangen die Mädchen das gleiche Lied wie TS Fijaker auf der Auswahlseite. Da sieht man, dass viele Lieder zum Repertoir mehrerer Tamburasigruppen gehören. Ein Vergleich kann sehr interessant sein. Jetzt aber mehr von Fijaker.

An dieser Stelle bietet sich Gelegenheit, kroatische Musik etwas ausführlicher vorzustellen und gleichzeitig auf die Schönheiten Kroatiens hinzuweisen, wobei das Wort durchaus doppelsinnig gemeint ist.

Als gar nicht „beautiful“ stellt sich der Google-Übersetzer dar, wie ich schon bei den Alten Liedern erwähnte. Mit slawischen Sprachen kann er nicht viel anfangen, auch wenn ich es abwechselnd mit serbisch, kroatisch oder bosnisch versucht habe. Hier ein schönes Beispiel (neben dem Originaltext habe ich eine  s e h r  freie Nachdichtung angefügt):

Aj, kolika je Jahorina planina,                                                   Mein Gebirge, mein Planina,
aj, kolika je Jahorina planina,                                                   Oh, wie groß ist Jahorina,
aj, siv je soko preletjeti ne može,                                            Wo der Falke übers Feld
aj, a kamoli dobar junak na konju!                                         Nicht mehr fliegt und auch kein Held
Aj, svi Bosanci dobre konje sedlaju,                                       Sich in seinen Sattel schwingt,
aj, svi Bosanci dobre konje sedlaju,                                       Wie’s dem Bosnier stets gelingt!
aj, a Bosanke ruse kose češljaju,                                              Kehrt der heim wohl übers Jahr,
aj, a Bosanke ruse kose češljaju!                                              kämmt sein Weib das rote Haar

Oh, was ist der Jahorina-Berg,
ja, wie der Jahorina-Berg ist,
aber die graue Kanone kann nicht fliegen,
oh, geschweige denn ein guter Held auf dem Pferderücken!
Oh, alle Bosnier guter Pferde sitzen,
ja, alle Bosnier guter Pferde sitzen,
ach, und die Bosanas schrubben sich die Haare,
ach, und der Bosanka schreit ihre Haare

Der Firefox-Übersetzer ist allerdings auch nicht besser!

Ay, was der Jahorina Berge,
Tee, was der Jahorina Berge,
Tee, Grays Falke fliegen kann,
Tee, geschweige denn einen guten Helden auf ein Pferd!
Ja, alle Bosnier gute Pferdesattel,
Position, alle Bosnier gute Pferdesattel,
Position und Bosanke Finte
Haarkamm, Tee und Bosanke Finte Haare kämmen!

Am besten wir hören das Lied gleich noch mal und zwar in der schwungvollen Version von Nada Mamula.

Zu der Musik vom Balkan gehören selbstverständlich auch die Nationalhymnen. Nun ist der Begriff Balkanländer sehr umstritten, ich lege mich auf acht Kernländer fest. Die Reihenfolge ist streng alphabetisch, um nicht in den Verdacht der Bevorzugung zu geraten.

Wie zerrissen das Land Bosnien-Herzegowina immer noch ist, zeigt der Umstand, dass zu der Hymne
zwei inoffizielle Texte existieren. Man kann sich auf keinen allgemeingültigen Text einigen. Nehmt euch ein Beispiel an Montenegro, in diesem Land wird die Einigkeit nicht nur besungen, sondern auch gelebt! Die serbische Hymne ist sehr martialisch und extrem nationalistisch – nun ja, es handelt sich ja um die Nationalhymne. Die albanische Hymne erschreckt ein wenig durch ihren blutrünstigen Text. Die anderen Hymnen beschreiben eher die Schönheit der Heimat oder das Verlangen nach Freiheit und Gerechtigkeit (Mazedonien).
Hier noch eine Art Hymne aus einem untergegangenen Land. Auch ich kenne das ja aus eigenem Erleben.

Nicht untergegangen ist die Gruppe Cure iz centra – hier eine aktuelle Aufnahme vom 15. April 2018

Die Mädchen bzw. Frauen aus Koprivnica sind sicher keine Feenwesen, auch wenn sie manchem so erscheinen, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Die Vilen dagegen schon, sie bereichern den Sagenschatz im ganzen heutigen Kroatien und noch darüber hinaus. Schon Vinko Coce besang eine Vila (siehe Auswahlseite), im Vokativ wird daraus Vilo. Das Geschlecht wird durch das Pronomen moja erkennbar; übrigens spielt es im Kroatischen keine Rolle, ob dieses vor oder nach dem Substantiv steht. Miroslav Skoro hat sich für die andere Variante entschieden.

Ein Klassiker von Miroslav Skoro ist folgender Titel. Er heißt „Zerstöre nicht meine Ebene“, gemeint ist damit Slawonien und entstand in den 1990er Jahren. Noch klassischer klingt die Version der 2Cellos, beides ebenso Kroaten wie Miroslav Skoro.

Sicher zu Unrecht habe ich bisher die Gruppe Garavuse noch nicht vorgestellt, die sich auch heute noch in Slawonien einer großen Beliebtheit erfreut. Das ist verständlich, denn die Frauen stammen ja aus Pozega. Dies und mehr erfuhr ich in geselliger Runde in der Caffe bar „Virus“ in Slavonski Brod.
Bei dieser Gruppe kommt auch das selten gewordene celo zum Einsatz, das durch seine Größe auffällt.